Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Grüß Gott,

mein Name ist Barbara Carl-Mast. Ich bin Diplom-Übersetzerin für Englisch, Französisch und Schwäbisch. Geboren und aufgewachsen bin ich im schönen Nagold, dem Tor zum Schwarzwald.

Frau Martha Schwämmle hat mich gebeten, eine Art Vita für sie zu schreiben, und da wir Beide uns nun schon eine geraume Zeit kennen, bin ich ihrem Wunsch gerne nachgekommen.

Auch sie ist, meines Wissens, ein Kind des Schwarzwaldes, der genaue Ort ist mir allerdings nicht bekannt. Obwohl Frau Schwämmle mir an Jahren weit voraus ist, haben wir ein inniges Band der Freundschaft geknüpft, das uns Beide verbindet.

Meine Bekanntschaft mit Frau Schwämmle reicht nun schon etliche Jahre zurück. Wir haben uns bereits während meiner Studienzeit kennengelernt. Nachdem ich im schönen Germersheim in der Pfalz mein Studium als Diplom-Übersetzerin für Englisch und Französisch abgeschlossen hatte, wollte ich noch das wahre Studentenleben (nunc est bibendum!)  kennenlernen, und wo könnte man das besser als im schönen Tübingen. Dort hat uns das Schicksal zusammengeführt.

Meine allererste Begegnung mit Frau Schwämmle ist mir auch heute noch in lebhafter Erinnerung. Als ich eines Abends im Studentenwohnheim eintraf und kurz noch in der Küche vorbeischaute, sah ich Martha Schwämmle mit einem ihrer legendären Besen in der Hand in der Küche stehen. Vor ihr kniete ein sehr junger Medizinstudent russischer Abstammung, steckte ihr einen Ring an den Finger und bat Frau Schwämmle in blumigen Worten und gutturalem Deutsch, seine Frau zu werden. Frau Schwämmle zeigte sich zwar leicht überrascht, war aber durchaus nicht abgeneigt, da sie zu diesem Zeitpunkt schon seit Jahren Witwe war. Sie versprach dem jungen Mann, sich die Sache über Nacht zu überlegen. Dieser wankte beglückt von dannen und Frau Schwämmle sprach mir gegenüber davon, wie sehr sich ihre Mutter selig wohl darüber gefreut hätte, wenn sie, Martha, nun noch auf ihre alten Tage eine Frau Doktor werden würde.

Am nächsten Tag stellte sich zu Frau Schwämmles Enttäuschung heraus, daß der russische Medizinstudent an jenem Abend unerlaubte Selbstversuche mit medizinischen Drogen unternommen hatte, welche er aus dem Labor entwendete (so senn se halt, die Russe!). Daher konnte er sich leider in keiner Weise an seinen Heiratsantrag erinnern. Geblieben sind Frau Schwämmle die Erinnerung an einen wunderschönen Abend, ein verblichener Verlobungsring und die Kenntnis des wichtigen russischen Wortes nastrowje!!!

Nach Abschluß meiner Studien in Tübingen zog es mich ins schöne Karlsruhe, wo ich mit meinem damaligen Freund und späteren Gatten eine Wohnung bezog. Nach Abschluß seiner Studien bekam mein zukünftiger Gatte im schönen Kassel eine Arbeitsstelle und ich begleitete ihn nach unserer Eheschließung im Jahre 1985 ins Exil nach Nordhessen.

Dort erweiterte sich unsere Partnerschaft innerhalb von kurzer Zeit um zwei wunderbare Kinder. Schon damals griff mir Frau Schwämmle nach einem Notruf an sie hilfsbereit unter die ermatteten Arme. Trotz ihrer Abneigung gegen fremde Länder folgte Frau Schwämmle mir dankenswerterweise ins Exil. Sie nahm mir alle erdenklichen Hausarbeiten ab, damit ich mich umso intensiver um meine Kinder kümmern konnte. Wie glücklich war ich, als Frau Schwämmle unseren Exodus aus dem nordhessischen Exil mittrug und sich ebenfalls wieder im Ländle niederließ, um mir auch nach der Hausgeburt des dritten wunderbaren Kindes zur Seite zu stehen. Niemals wäre es mir möglich gewesen, meine Kinder zu vollwertigen Mitgliedern dieser – manchmal etwas fragwürdigen - Gesellschaft zu erziehen, wenn mir Frau Schwämmle nicht jederzeit, Tag und Nacht, den Rücken für die schwere Erziehungsarbeit freigehalten hätte. Sie hat für mich geputzt, gewaschen, gebügelt, eingekauft, gekocht und war selbst in der Nacht bereit, die Bettwäsche der Kinder zu wechseln und zu waschen, sollten diese einmal mehr von einem der legendären Kindergarten-Magen-Darm-Viren befallen worden sein. Wenigstens hatten wir nie mit Kopfläusen zu kämpfen.

Ich werde Frau Schwämmle diese selbstlose Hingabe und ihren Einsatz an der Kinderfront nie vergessen! Sie ist die letzte wahre Haushaltsperle im Ländle!

Ich hätte ihr gewünscht, ihr persönlicher Lebenstraum wäre in Erfüllung gegangen. Ihre lebhaften Erzählungen der Kriegswirren, die sie als junges Mädchen miterlebt hatte, und ihre große Begeisterung für das englische Königshaus legt mir die Vermutung nahe, daß Frau Schwämmle eine Jahrgängerin von Queen Elizabeth II. ist. Genaues weiß ich darüber allerdings nicht. Am liebsten wäre Frau Schwämmle eigentlich Prinzessin geworden. Da sie erbfolgemäßig leider nicht auf den vorderen Rängen geführt wird, wollte sie den Status einer Prinzessin durch das Küssen eines Frosches erlangen. Leider hatte sie damit nur mäßigen Erfolg. Keiner der vielen Frösche, die sie geküsst hat, wollte sich in einen Prinzen verwandeln. Noch unerfreulicher war, daß sie eine Anzeige des Tierschutzvereines wegen des Küssens von Fröschen abzuwehren hatte. Daher hat sie sich für den Beruf der Putzfrau entschieden, der mit dem der Prinzessin zumindest den Anfangsbuchstaben gemein hat.

Inzwischen hat Frau Schwämmle erkannt, daß der Beruf der Putzfrau für sie nicht nur Beruf, sondern auch eine innere Berufung ist. Sie hat schon als kleines Kind sehr gern geputzt. In ihrer legendären Besensammlung befindet sich auch ihr allererster Besen, ihre eigene Zahnbürste, mit der sie schon als kleines Mädchen mit viel Liebe und Hingabe ihre Legosteine poliert hat. Da sie, wie jeder Mensch, immer von sich ausgeht, ist Frau Schwämmle bis zum heutigen Tag davon überzeugt, daß so gut wie alle Kinder am liebsten putzen und aufräumen würden – wenn man sie nur ließe bzw. lassen täte!

Inzwischen ist ihre Besensammlung auf einen stattlichen Umfang herangewachsen. Jeder Besen hat seine eigene Geschichte, und wenn Frau Schwämmle einmal anfängt, diese Geschichten zu erzählen, dann findet sie nur schwer ein Ende. Sie hat mir schon oft gesagt, daß sich hier doch wieder das alte Sprichwort bewahrheiten würde, das da lautet:

                        Wenn einer einen Besen hat, dann kann er was erzählen!

Ihr absoluter Lieblingsbesen ist seit der letzten Fasnet ein Hexenbesen, der sie am Aschermittwoch in einer Wirtschaft angesprochen hat. Sie hat ihn daraufhin mitgenommen und ihm ein neues Heim gegeben. Allerdings habe ich sie bis jetzt noch nie darauf reiten sehen, obwohl sie selbst behauptet, daß sie nur noch mit ihrem Besen unterwegs ist.

Inzwischen sind meine Kinder so gut wie erwachsen, zumindest alle drei volljährig, mein ehemaliger Gatte hat eine neue Frau und ich bin eigentlich nicht mehr so dringend auf Frau Schwämmles Dienste angewiesen. Sie allerdings bleibt mir treu, sie ist der Meinung, ich solle nun mein Hausmütterchen-Dasein abstreifen und mich endlich emanzipieren, mir ein Beispiel an ihrer Person nehmen. Wenn ich allerdings davon spreche, wieder als Übersetzerin zu arbeiten und zu diesem Zwecke auch ins Ausland zu gehen, so ist Frau Schwämmle not amused. Sie verreist nach eigener Aussage überhaupt nicht  gern, denn sie denkt immer an das alte Sprichwort:

                        Wenn einer eine Reise tut, so fällt er selbst hinein!

Trotz ihrer Abneigung gegen alles Fremde hat Frau Schwämmle doch vor kurzem einen VHS-Kurs für Englisch besucht. Sie ist der Meinung, anders käme man auch hier im Ländle nemme durch, vor allem bei den jungen Leuten. Die Nähe des Englischen zum Schwäbischen ist ihr allerdings sofort aufgefallen und war ihr auch ein großer Trost.

Ab und an ist Frau Schwämmle auch eine gewisse Todessehnsucht anzumerken. Sie spricht davon, ihre Besensammlung einem Museum zu vermachen und möchte sich einen Platz für ihr Grab oben bei der Wurmlinger Kapelle reservieren lassen. Das macht mich persönlich zwar etwas traurig, aber nach so einem langen Leben ist es verständlich, wenn man sich nach Ruhe sehnt, und sei es auch die Ewige Ruhe.

Trotz allem ist Frau Schwämmle immer noch sehr rüstig und lebenslustig. Vor nicht allzu langer Zeit hat sie mir vorgerechnet, daß es für sie billiger wäre, eine Kreuzfahrt zu machen, als in ein Pflegeheim zu ziehen. Da sie als Schwäbin das Sparen ja schon im Blut hat, wird sie wahrscheinlich diese Option nutzen und ihre letzten Tage auf einem Kreuzfahrtschiff verbringen. Mögen diese ihre letzten Tage auch noch in weiter Ferne liegen, so kann ich doch jetzt schon sagen: Frau Schwämmle, Sie haben es sich verdient!

Ahoi!

 

Die nächsten öffentlichen Auftritte von Frau Martha Schwämmle finden statt am:

 

 

Freitag, den 25.01.2019  21 Uhr

 

Martha Schwämmle bei der Jahresfeier von MAFAC in Alpirsbach

  Geschlossene Veranstaltung

 

 

 

Mittwoch, 27.02.2019, 19:00 Uhr

 

Martha Schwämmle beim Tag des Ehrenamtes in Untertürkheim 

Bürgerhaus Untertürkheim